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14. Offene NRW-Seniorenmeisterschaft

Eindrücke von Anna Dergatschewa-Daus

achdem ich am 15 Juni von der Europameisterschaft zurückgekehrt bin, packte ich schnell meine 7 Sachen und fuhr schon am nächsten Morgen nach Beverungen, um dort meinen Vater, Abram Khasin, bei der NRW-Seniorenmeisterschaft zu unterstützen. Ich machte mir ein wenig Sorgen um ihn. Wie kommt er dort zurecht? Meine Eltern leben erst seit einem Jahr in Deutschland und lernen fleißig Deutsch, doch obwohl sie schon ziemlich viel verstehen, trauen sie sich nicht zu sprechen. Es war das erste Mal, dass die Beiden eine weite Reise ohne mich unternommen haben. Doch meine Ängste waren umsonst. Das Turnier lief schon seit 2 Tagen und mein Vater hatte mit 2 aus 2 eine weiße Weste und auch sonst waren sie mit allem sehr zufrieden. Ich hatte ein Ferienhaus angemietet, mein Mann brachte sie mit dem Auto dorthin. Auch sonst fehlte es ihm nicht an Unterstützung. Unsere Verwandten kamen am Wochenende aus Hannover zu Besuch und sie verbrachten zwei herrlichen Tage an der frischen Luft im Tannenhof (so hieß das Ferienhaus). Joachim Reichwald, einer unserer Jugendlichen vom SK Holsterhausen, der seit einiger Zeit mit meinem Vater trainiert, kam ebenfalls für die ersten beiden Tage und hatte seinen Computer dabei, so das auch für die Vorbereitung gesorgt war.

ie Stadthalle von Beverungen fand ich ohne Probleme, alles im Ort ist sehr gut beschildert. Den Spielsaal fand ich sehr schön - groß genug und hell - wichtige Voraussetzungen um Schach spielen zu können. Als ich ankam, war es kurz vor zwölf. Meine Mutter saß in der Sonne und lächelte mir zu. Sie zeigte mir Frau Brand, die das Turnier organisierte und so nett war, trotz ihrer vielen anderen Aufgaben, noch die Zeit zu finden, meinen Vater zum Ferienhaus und zurück zu bringen. Ich küsste meinen Vater auf die Wange und gab ihn eine Tafel Schokolade, die er während der Partie gerne isst, dann erst versuchte ich die Stellung einzuschätzen. Khasin spielte in dieser dritten Runde mit Weiß gegen Luboschitz. Aber die Position ließ sich nicht so einfach einschätzen, sondern brauchte eine genaue Berechnung. Vater saß zufrieden am Brett und ich machte daher auch keine weiteren Gedanken um die Partie, sondern wollte einen Spaziergang am Ufer der Weser unternehmen. Nachdem ich den Turniersaal verlassen hatte, kam Willi Knebel, der in Beverungen wie bei vielen anderen Seniorenturnieren auch als Schiedsrichter tätig war, auf mich zu. Er begrüßte mich und erzählte mir über den großen Katernberger Erfolg bei den Deutschen Mannschaftsblitzmeisterschaften. Danach wirkte er etwas verlegen und sagte dann folgendes: "Anna, da du nicht nur Tochter, sondern auch eine starke Spielerin bist (was ich nach dem Turnier in Istanbul nicht so richtig glauben konnte), möchte ich nicht in eine unangenehme Situation gebracht werden. Du verstehst schon, was ich meine." Ich verstand, was er meint, doch als ich das später meinem Vater erzählte, wusste er nicht so recht, ob er lachen oder empört sein sollte. Schließlich meinte er: "Glaubt der Schiedsrichter etwa wirklich, dass du besser Schach spielen kannst als ich und mir irgendwelche Ratschläge geben könntest?"

ch kam eine Stunde später zurück zur Halle und fand ihn zusammen mit seinem Gegner bei der Analyse. Beide verstanden sich sehr gut, da sie dieselbe Sprache sprachen (wie bei vielen anderen Turnieren, waren auch hier viele Schachspieler aus der ehemaligen UDSSR am Start). Sein Gegner meinte nachdenklich zu mir: "Das war jetzt unsere dritte Partie. Das erste Mal verlor ich gegen deinen Vater in Kiev, das zweite Mal 1958 beim UDSSR-Halbfinale in Minsk und jetzt auch die Dritte. Ich glaube nicht, dass ich noch eine Chance habe, so selten wie wir gegeneinander spielen, noch ein positives Ergebnis zu erzielen."

eider unterbrach mein Vater im weiteren Verlauf des Turniers seine Siegesserie mit drei Remisen und verlor dann die Partie gegen Khanukov, der am Schluss Zweiter wurde. Am Ende hieß es für Abram Khasin Platz drei. Sieger wurde mit einem herausragendem Ergebnis Bakhmatov. Wie es immer bei Turnieren ist, waren manche mit ihrem Spiel zufrieden, die anderen nicht. Doch insgesamt machte das Turnier einen sehr guten Eindruck, es kam nie zu Streitigkeiten, da alle Spieler erfahren sind und fair miteinander umgingen, auch der Schiedsrichter war immer zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Überhaupt spielen Senioren sehr kämpferisch, selten kam es zu einem schnellen Remis.

as Wetter spielte die ganze Zeit mit und so haben meine Mutter und ich in dieser Woche viele herrliche Spaziergänge unternommen, während Vater noch seine Partien spielte. Beverungen selbst ist eine schöne kleine Stadt mit vielen alten von Blumen und Bäumen umrahmten Häusern geschmückt. Aber natürlich ist dort auch die Zivilisation vorhanden, alle notwendigen Geschäfte sind da, die Einkaufsmöglichkeiten sind richtig gut, vom normalen REWE und Schlecker bis hin zu vielen Bauernhöfen in der Nähe, wo man frischen Spargel direkt vom Feld und jungen Wein erwerben kann. Viele Teilnehmer besuchten auch Karlshafen, um die Sehenswürdigkeiten dieser historischen Stadt zu genießen. An einem Tag habe ich es sogar geschafft, im nächsten Dorf süßen Erdbeeren zu sammeln, eine neue Erfahrung, die Spaß machte und sehr gut schmeckte. Ich kann verstehen, dass alle Teilnehmer mit Begeisterung die Idee aufnahmen, im nächsten Jahr wieder in Beverungen zu spielen. Nur mit dem Beginn der Partie war man sich noch nicht einig. Die eine Hälfte der Spieler war für 10 Uhr, wie in diesem Jahr, die andere war für 9 Uhr. Aber das sind nur Kleinigkeiten und alle freuen sich schon auf die nächste Meisterschaft.

Anna Dergatschewa-Daus

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