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Reinhold Sölter siegt beim 2. Lipperland Senioren Open in Dörentrup
lein,
aber fein!" lautet die Devise bei den Turnieren, zu denen Rolf
Mießner aus Enger in sein HAUS BEGATAL bei Dörentrup im
Lipperland einlädt. Wie schon im vergangenen Jahr hatte der
schachverliebte Spieler und Organisator auch diesmal für das 2.
Lipperland Senioren Open ein handverlesenes Teilnehmerfeld zusammen
gestellt, das sowohl fähig als auch willens war, neun Tage lang
mit/für Schach und Kultur zu leben (Eigentlich ist die
Formulierung "Schach und Kultur" ja inkorrekt, denn sie
suggeriert, dass Schach keine Kultur ist. Und das sehen wir ja wohl
anders!). |
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Rolf Mießner hatte erneut ein interessantes
Rahmenprogramm zusammen gestellt, das uns u.a. in das
Weserrenaissance-Museum im Schloss Brakel, die Hansestadt Lemgo, die
Rattenfängerstadt Hameln und das malerische Schwalenberg führte.
Mich hat besonders der Besuch im Westfälischen Freilichtmuseum
Detmold angesprochen, das ich mir so groß nicht vorgestellt
hatte. Eingebettet in eine reizvolle Landschaft aus Wiesen, Feldern
und Wald, erzählen über hundert Fachwerkhäuser von 500
Jahren Geschichte und Kultur in Westfalen. Das - wie ich erfahren habe
- größte Museum unter freiem Himmel in Deutschland muss man
sich regelrecht erwandern. Ein heißer Tipp für Leute, die
das Staunen noch nicht verlernt haben! |
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Letztlich ging aber um SCHACH für die beiden
Damen und fünfundzwanzig Herren, unter ihnen acht "Wiederholungstäter",
denen es offensichtlich im letzten Jahr hier so gut gefallen hatte,
dass sie wiederkamen. Und - bei aller Harmonie unter den Teilnehmern -
am Brett war "Schluss mit lustig"! |
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Schon in Runde 1 knisterte es: Edmund Rodemann, der
Günter Abendroth, der Nr. 1 der Setzliste, einen gleichwertigen
Kampf geliefert hatte, warf nach einem Bauernverlust im 54. Zug das
Handtuch, um anschließend zu erkennen, dass er in vermutlicher
Remisstellung kapituliert hatte. Zwei Tische weiter ließ Günter
Kreie ein zweizügiges Matt aus und verlor wenige Züge später
noch. Wer konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass sein Gegner Reinhold
Sölter das Turnier gewinnen würde. Auch Ihr Berichterstatter
hatte Glück im Unglück. Als Hermann Schulz in das Remis
einschlug, fragte der kiebitzende Dr. Ellinger "Warum geben Sie
denn Remis? Sie stehen doch auf Gewinn!" Nach sechs Runden
deutete alles auf einen Turniersieg von Dr. Hans Ellinger hin, obwohl
Reinhold Sölter den Schreck aus der 1. Runde gut verdaut hatte
und in Lauerstellung gegangen war. Dann: "high noon" in
Runde sieben! Sölter, den sie in Ostwestfalen-Lippe nur "den
Gewaltigen" nennen (Helmut Nöttger hatte ihn vor Jahrzehnten
so getauft!), ließ - unter dem Schutz eines gut postierten Läuferpaares
- einen Rappen so wild auf Ellingers Feldern tanzen, dass irreparabler
Flurschaden entstand. Wenig später hisste der Tübinger, vor
einem Trümmerhaufen stehend, die weiße Fahne. Sölter
lag nun vorn; doch auch für ihn hatte CAISSA noch einen
Wermutstropfen parat; er wurde in der letzten Runde serviert. Günter
Abendroth, des Turnierspiels seit einiger Zeit entwöhnt, hatte
mit zwei Siegen und sechs Remis wahrlich keine Bäume ausgerissen,
doch in der Schlussrunde war er ganz der Alte. Gegen Sölters "Najdorf"
startete er einen fulminanten Königsangriff, den er nach 38 Zügen
siegreich abschloss. |
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In CAISSAs Ungnade gefallen war der Mann aus
Lemgo-Lieme dennoch nicht. Da sich Dr. Ellinger am Nebenbrett gegen
Klaus Petrasch mit Remis begnügen musste, blieb Sölter nach
Feinwertung Erster. |
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Die kleine Siegerehrung beendete der bestens
gelaunte Gastgeber mit dem Hinweis, dass er an eine Fortsetzung der
Turnierreihe im nächsten Jahr denke. Na, das wollen wir aber auch
hoffen! |
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Eine persönliche Bemerkung zum Abschluss: Auf
die Endlichkeit allen menschlichen Tuns machte mich ungewollt ein -
nicht ganz regelfester - Teilnehmer aufmerksam, als er eine ihm
unliebsame Schiedsrichter-Entscheidung mit der Bemerkung "Wenn
ich das der FIDE schreibe, sind Sie die längste Zeit
Schiedsrichter gewesen!" kommentierte. Der Gute hat ja Recht; nur
bedarf es dazu keines Briefes an die FIDE. Vor dreißig Jahren
setzte mich Helmut Nöttger zum ersten Mal als Schiedsrichter ein.
Jetzt bin ich 67; noch einmal dreißig Jahre als "Schiri"
werden mir leider nicht vergönnt sein. Ergo: Ich bin die längste
Zeit Schiedsrichter gewesen! |
| Willi Knebel |
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