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Bundesliga: Wieder 50 Prozent

Sieg und Niederlage in Eppingen

In der sechsten Doppelrunde der Bundesliga bot das SFK-Team einmal mehr ein gewohntes Bild: Nach einem diesmal sehr überzeugend herausgespielten Sieg gegen Eppingen reichte es am Sonntag gegen die favorisierte Mannschaft des SV Tegernsee nur zu vier kärglichen Remispartien...

In der Schach-Bundesliga trumpften die Sportfreunde Katernberg in Eppingen gegen den nun abstiegsgefährdeten Gastgeber SC Eppingen groß auf und rückten durch ihren 6,5:1,5 Sieg wieder auf den 6. Tabellenplatz vor. Neben der sieggewohnten SFK-Großmeistergilde überzeugten auch die Spieler an den unteren Brettern.

Matthias ThesingDen Anfang machte der infolge beruflicher Termine nur selten zum Einsatz gekommene IM Matthias Thesing, der in seiner damenindischen Partie nach Mittelspielverwicklungen einen Riesenspringer im Zentrum postieren konnte und einen verunglückten Entlastungsversuch von Arndt Miltner mit einem siegbringenden Damenscheinopfer beantwortete. Dem sicheren Remis von IM Martin Senff gegen Hannes Rau folgte ein unnötiger Verlust von GM Vladimir Chuchelov, der in seiner gut angelegten Partie gegen den jungen IM Arik Braun in Zeitnot die Übersicht verlor. IM Christian Scholz, der zur Zeit seinen "Dr." baut und daher von der Vereinsführung geschont wird, widerlegte die überscharfe Eröffnungswahl von Ulrich Schulze und führte später ein Turmendspiel sicher zum Sieg.

Bernd RosenNach der ersten Zeitkontrolle erhöhte FM Bernd Rosen auf 3,5:1,5. Bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz in der laufenden Spielzeit erlangte der SFK-Vorsitzende mit einem kühnen Opfer im Zentrum einen chancenreichen Angriff gegen den gegnerischen König, den er im Endspiel taktisch in Gewinn umsetzte. Einen weiteren Sieg steuerte GM Erwin L'Ami bei. Der Holländer profitierte dabei davon, dass IM Christian Mann eine zwingende Remisvariante verschmähte, statt dessen auf Gewinn spielte und ausgekontert wurde.

Am Spitzenbrett gab es die inzwischen gewohnte Galavorstellung von GM Andrei Volokitin. Der junge Ukrainer brachte gegen GM Peter Acs schon in der Eröffnung Schärfe ins Spiel und verbrauchte fast eine Stunde seiner Bedenkzeit für ein Turm-Scheinopfer. Dank der aktiven Verteidigung seines ungarischen Gegners landete er jedoch in einem Endspiel mit nur geringen Gewinnchancen, zumal sein König durch ein "Sperrfeuer" der gegnerischen Dame hindurch musste. Einer wie Volokitin setzt nach. Mit Geduld und Umsicht führte er seinen König aus der Schlusslinie. Am Ende belohnte ihn ein Freibauer auf der h-Linie für seinen Kampfgeist. Den Schlusspunkt setzte Mannschafts-Senior Sergey Smagin. Der wie immer hochmotivierte Moskauer Großmeister opferte mutig die Qualität für zwei Freibauern, erlangte Gewinnstellung und gewann im finalen Zeitnotdrama trotz eines "remisträchtigen" Fehlers.

Nach diesem samstäglichen Kantersieg gingen die SFK-Mannen am Sonntagmorgen mit verhaltenem Optimismus in den Wettkampf gegen den favorisierten TV Tegernsee, der sich tags zuvor schwer getan hatte, den SV Mülheim-Nord mit 4,5:3,5 zu besiegen. Das SFK-Team erwischte jedoch einen schwarzen Tag und musste sich mit 2:6 deutlich geschlagen geben.

Maßgebend für die Niederlage war das Abschneiden an den Brettern 6 bis 8.. Die noch am Vortag allesamt siegreichen IM Matthias Thesing, IM Christian Scholz und FM Bernd Rosen mussten in ihren Partien kapitulieren und sorgten so für einen nicht aufholbaren Rückstand, zumal auch an den vorderen Brettern keine einzige Partie gewonnen wurde.

Andrei VolokitinAndrei Volokitin war am Spitzenbrett gewohnt scharf zur Sache gegangen, hatte dann aber, nach einem Qualitätsopfer seines Großmeisterkollegen Igor Khenkin, allzu waghalsig einen seiner schützenden Bauern am Königsflügel geopfert. Mit einem Damenzug konnte der Tegernseer den Katernberger nun vor vermutlich unlösbare Probleme stellen, doch er ging an seiner Chance vorbei. Am Ende sprang ein etwas schmeichelhaftes Remis heraus. Volokitin bleibt damit in der laufenden Spielzeit unbesiegt und ist mit 8:3 Punkten weiterhin der überragende Spitzenspieler der gesamten Bundesliga. Diesmal stand ihm allerdings auch das Glück des Tüchtigen zur Seite.

Weitere Remispartien steuerten GM Sergey Smagin (mit starker Verteidigungsleistung), GM Erwin L'Ami und IM Martin Senff bei. Tragischer Held war GM Vladimir Chuchelov, der in einem verlustträchtigen Damenendspiel in der letzten Partiephase die unverhoffte Chance zu einem Dauerschach erhielt, sie aber nicht nutzte und - nach der Niederlage vom Vortag - auch seine zweite Partie an diesem Wochenende verlor.

Vor den beiden letzten Spielen (am 1. und 2. April in Mülheim) gegen Aljechin Solingen und SV Wattenscheid teilt sich SFK in der Tabelle mit dem Reisepartner SV Mülheim-Nord den 6. Platz, verfügt aber über das um einen Brettpunkt schlechtere "Torverhältnis". Da geht noch was!

Willi Knebel

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