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12. offene Ruhrgebietsmeisterschaft der Senioren
Igor Eismont (SF Brackel 1930) deklassiert die Konkurrenz
Die
Seniorenmeisterschaft des Ruhrreviers ist traditionell ein Turnier der etwas anderen Art. Sie wird stets in drei
Dreitageblöcken in drei aufeinander folgenden Wochen im Frühjahr in zentraler Lagen in Essen durchgeführt.
Übernachtungen sind nicht vorgesehen, und so können auch Spieler teilnehmen, die sich die Reise zu einem Urlaubsturnier -
aus welchen Gründen auch immer - nicht leisten können/wollen/dürfen. Die günstige verkehrstechnische Lage des Essener
Zentrums ermöglicht Spielern aus dem ganzen Ruhrgebiet und sogar der angrenzenden Regionen Niederrhein und Bergisches Land
die problemlose Anreise.
Da der Gertrudissaal am Viehofer Platz, die Spielstätte der letzten Jahre, zur Zeit
renoviert wird, musste die diesjährige 12. Auflage etwa 800 m nördlich in den Pfarrsaal der Gemeinde St. Peter
verlegt werden. Auch hier hatten die 44 Teilnehmer ausreichend Platz und Ruhe, lediglich das Knarren der Dielen auf der
Turnierleitungs-Bühne störte gelegentlich die Konzentration.
Der Turnierverlauf passte sich dem Organisationsrhythmus an. Die drei Runden der ersten
Spielwoche dienten der "Einsortierung" der Spieler in Spitzengruppe, Mittelfeld und "Abstiegszone" (wenngleich es
in einem offenen Turnier naturgemäß keinen Abstieg gibt. In Abwesenheit von Eduard Bakhmatov (Sieger 2001, 2002,
2004) und Abram Chasin (Sieger 2003) rechnete sich vor allem die komplett angetretene Meistergarde des letzten
Jahrhunderts (Willy Rosen, Horst Szymaniak, Erich Krüger, Friedhelm Dahlhaus) gute Chancen aus. Hinzu kam natürlich
Igor Eismont, der allerdings erst einmal mitgespielt hatte und daher - trotz seines Co-Sieges im Jahr 2003 - als
"unbeschriebenes Blatt" galt. Am Ende der 1. Woche hatten nur Willy Rosen und Erich Krüger mit je 3 Punkten eine
makellos weiße Weste, wobei Krüger davon profitierte, dass Horst Szymaniak in Runde 3 einen Elfmeter gegen ihn ausließ.
Ein Verfolgerquartett (Igor Eismont, Falk Müller, Friedhelm Dahlhaus, Eckardt Hübner) lag einen halben Zähler zurück;
die zweite Woche verprach, spannend zu werden.
Diese "Woche der Vorentscheidungen" krempelte die Rangfolge kräftig um. Zunächst
bezwang Erich Krüger seinen Freund Willy Rosen mit einer fürchterlichen Läufer-Dame-Batterie auf der großen
Diagonale a1-h8, um dann eine Runde später ein Endspiel gegen Igor Eismont zu "vergeigen". In der 6. Runde
schließlich verlor Willy Rosen, wie schon vor zwei Jahren, mit den weißen Steinen gegen Eismont. Schon 2003 hatte
sich Rosen mit der scharfen van-der-Wiel-Variante gegen die Caro-Kann-Verteidigung des Dortmunders eine Niederlage
eingehandelt; diesmal ging er viel zu stürmisch auf die schwarze Stellung los und wurde energisch ausgekontert.
Damit war Eismont mit drei Partiegewinnen der große Sieger der 2. Turnierwoche, sein Turniersieg war hier schon
absehbar.
Zu Beginn der 3. Spielwoche schaltete der Spitzenreiter zunächst mit Dr. Heinz-Dieter
Gierse einen weiteren Verfolger aus und ließ sich danach mit zwei Remispartien gegen Helmut Schröer und Manfred
Achenbach ins Ziel trudeln, das er mit einem ganzen Zähler Vorsprung erreichte. In der Geschichte dieser
Meisterschaft hat selten ein Spieler das Turnier so deutlich beherrscht wie der Dortmunder, der mit Ausnahme von
Friedhelm Dahlhaus (der nach einer katastrophalen 2. Woche ins Mittefeld zurück gefallen war und sich erst im
Endspurt wieder in die Verfolger einreihte) gegen die gesamte Spitze spielen musste.
Im Schatten der Spitzenkämpfe gab es Überraschendes und Kurioses: So setzte sich
Helmut Schröer (Nr. 15 der Startliste) trotz einer Startniederlage später in der Spitzengruppe fest und verpasste
als Siebter nur knapp die Preisränge. Herbert Schmitthöfer, als Nr. 27 ins Rennen gegangen, kam als Neunter ins
Ziel und belohnte sich nicht nur mit dem 1. Preis in Ratinggruppe 1, sondern auch mit einem Zuwachs von 47
DWZ-Punkten. Übertroffen wurde er nur von Fritz Masuhr, dem Sieger in Ratinggruppe 2, der sich 52 DWZ-Punkte
gutschreiben durfte. Erwähnt werden müssen die 50 %, die der inzwischen 88-jährige Kurt Matthias erzielte. Nicht
zufrieden waren sicherlich die beiden Spieler, die alle zwölf Meisterschaften mitspielten: Friedhelm Dahlhaus und
Josef Mader hatten sich eigentlich mehr vorgenommen, waren aber in der 2. Spielwoche (als sie je 0,5 Punkte aus
ihren drei Partien holten) von allen guten Schachgeistern verlassen. Und da gab's noch den Spieler (dessen Namen
wir hier verschweigen; es wird ohnehin noch immer wehtun), der nach einem Abtausch im Endspiel in Gewinnstellung
aufgab, da er seinen einzugbereiten Freibauern schlichtweg vergessen hatte. Schlecht in Form war offensichtlich
auch Turnierleiter Willi Knebel, der, ganz gegen seine Gewohnheit, den Geburtstagskindern Manfred Achenbach, Fritz
Masuhr und Bernd Schwagrowski die öffentliche Gratulation verwehrte. Welch ein Glück, dass die fairen Teilnehmer
ihm keine schwierigen Entscheidungen abverlangten. Wer weiß, was er sonst noch alles angestellt hätte!
Erstaunliches tat sich am 19. April, dem Spieltag der vorletzten Runde: Soeben hatte
sich Eismont durch ein Remis gegen Helmut Schröer vorzeitig den Turniersieg gesichert, als, pünktlich zur
beginnenden Zeitnotphase, in der Kirche gleich nebenan sämtliche Glocken zu läuten begannen. Allerdings doch wohl
nicht, um - wie ein Spötter bemerkte - den Sieger zu feiern, sondern das wenige Minuten zuvor im fernen Rom
verkündete "habemus papam" zu würdigen (wie der Turnierleiter sofort am Glockenton erkannte). Aus Josef Kardinal
Ratzinger war soeben Papst Benedikt XVI geworden.
Das Turnier, seit Jahren schon die quantitativ bestbesetzte Einzelmeisterschaft im
Ruhrgebiet, wurde, ebenso wie die elf vorangegangenen, von den Gremien des Schachverbandes Ruhrgebiet weitgehend
ignoriert. Das hat Linie und ist die konsequente Umsetzung einer Politik, die sich erst kürzlich in der die
Senioren und ihre Repräsentanten missachtenden Abstimmung der Mehrheit der Delegierten auf dem Kongress des
Schachbundes NRW niederschlug. Nichtsdestotrotz werden wir in Essen auch im nächsten Jahr die 13. Auflage durch
eigene Finanzierung sicherzustellen versuchen. Vielleicht winkt uns dafür eines Tages die ehrende Erwähnung wegen
permanenter Schonung des Sparbuchs vom Spar Verband Ruhrgebiet.

Igor Eismont |

Willy Rosen |

Erich Krüger |
Willi Knebel
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